Coronavirus: DSGVO, Kneipe und ein Berner Sennenhund

Das Coronavirus ist da. Es hat uns voll getroffen. In Deutschland herrscht Ausnahmezustand. Selbst am Grundgesetz wird gerüttelt und was natürlich auf keinen Fall fehlen darf: Verschwörungstheorien. Was hat das alles mit Datenschutz zu tun? Nichts, und das ist ein Problem.

Knapp zwei Jahre haben wir für Sensibilisierung  gekämpft. Zwei Jahre DSGVO. Schreckgespenst, Bürokratiemonster und Zeitfresser. Was haben wir alle geschimpft und schimpfen immer noch. Geldmacherei, Schwachsinn und eh bald wieder nicht mehr da. Alles Pustekuchen. Das haben die Menschen so langsam verstanden. Behutsam und mit viel Liebe bringen wir den Leuten das Thema näher. Führen Sie an die DSGVO heran, wie ein Kleinkind an einen ausgewachsenen Berner Sennenhund. Langsam und vorsichtig. Damit es am Ende erkennen kann, das der Hund nicht beißt und ganz schön flauschig ist. Der Vergleich hinkt denkst du jetzt bestimmt. Finde ich gar nicht und ich hab noch eine bessere Geschichte. Wenn mich jemand fragt, wie ich zur DSGVO stehe erzähle ich immer folgendes:

Mein Kumpel die DSGVO

Ich habe einen guten Kumpel. Mit dem gehe ich öfter in die Kneipe bei uns um die Ecke (ja das gibt es im „Pott“, in Herne, noch). Mein Kumpel ist die DSGVO. Wenn die DSGVO und ich dann so am Tresen sitzen, 4-5 Bierchen trinken, fängt man immer an zu philosophieren. Dann fängt die DSGVO an zu klagen: „Ach weißt du, keiner mag mich. Alle meckern immer über mich. Jeder findet mich überflüssig und doof.“ Ich nehme die DSGVO dann immer in den Arm und verspreche Ihr: „ Weißt du was, ich helfe dir. Ich gehe raus zu den Leuten und zeige Ihnen, dass du eigentlich ein ganz netter Kerl bist!“

Jetzt stehe ich vor zwei Herausforderungen. Ich kann nicht mehr mit der DSGVO in die Kneipe und auch nicht zu den Leuten hin. Auf die Kneipe kann ich gut verzichten da ich sowieso kein Alkohol trinke um einen klaren Kopf zu bewahren. Zu den Menschen könnte ich schon. Alleine. Nur zu zweit in einem Raum. Mit zwei Metern Abstand. Allerdings möchte mich im Moment keiner mehr bei sich haben. In Zeiten von COVID-19 ist der Datenschutz wieder auf Platz 153 von 154 in der To-Do Liste abgerutscht. Platz 154 ist im Übrigen „Insolvenz anmelden“.

Datenschutz muss gerade jetzt sein

Natürlich haben wir es teilweise mit chaotischen Zuständen zu tun und Unternehmen bangen um Ihre Existenz.

Natürlich müssen wir dafür sorgen, dass wir alle gesund bleiben und uns zu Hause ganz neue Strukturen aufbauen.

Natürlich haben Familien mit dem Stresspegel zu kämpfen und die Kinder müssen zusätzlich unterrichtet, bespaßt und geliebt werden.

Aber, und das ist ein ziemlich großes aber, ist der Datenschutz in dieser Zeit wichtiger als zuvor. Ich sage nicht, dass es Priorität A++ besitzt. Es ist aber mit Sicherheit ganz weit vorne in der Prioritätenliste. Denn was passiert jetzt gerade? Wir alle machen dass, was innovative Unternehmen schon länger machen: Wir digitalisieren und mobilisieren unsere Arbeitsplätze. Schaffen neue Netzwerkstrukturen und Infrastrukturen in unseren Wohnungen und Häusern. Homeoffice ist die neue, große Unbekannte. Arbeiten von zu Hause. Auf der Couch, im Büro. Vielleicht sogar im Bett vorm Fernseher. Ein Traum. Jetzt sind wir erst einmal damit beschäftigt zu lernen, wie man im Homeoffice produktiv und effektiv arbeitet. Was ist überhaupt alles erlaubt und was nicht. Wie kontaktiere ich meine Kollegen und meinen Chef? Dann kommt die Erleuchtung. Die ganzen Tools und Programme sind klasse. Da beginnt so langsam die Phase, in der ich drohe rückwärts vom Barhocker zu kippen. Denn hier lauert eine Gefahr, die den meisten gar nicht so bewusst ist. Wenn man sich im Homeoffice nicht mit dem Thema Datenschutz beschäftigt können Fehler passieren. Fehler die erst nicht auffallen. Fehler die dann auffallen, wenn die Krise überstanden ist. Fehler die anderen auffallen. Um eben diese neuen Baustellen gar nicht erst entstehen zu lassen, ist jetzt eine Datenschutzsensibilisierung umso wichtiger. Wir können hierfür exemplarisch das Beispiel des Videochats nehmen.

Videochat als Eldorado

Selbstverständlich sind die Tools und Programme super und teilweise jetzt unverzichtbar. Schön wäre es aber, wenn man sich vorher Gedanken macht, was man da tut. Wenn ich in einem Videochat bin und dann auch noch meinen Bildschirm teile um die Daten der HR Abteilung zu zeigen. Ein Eldorado für Datenkraken und die, die es werden wollen. Mit Sicherheit sehr überspitzt dargestellt. Aber stelle dir doch bitte mal folgende Fragen:

  1. Ist mein Rechner, mit dem ich den Videochat betreibe, gegen fremde Zugriffe gerade geschützt?
  2. Ist der Rechner meines Gegenübers gegen fremde Zugriffe geschützt?
  3. Kann gerade jemand mithören oder etwas abfotografieren?
  4. Ist das hier nur eine Liveübertragung oder wird es auch noch aufgezeichnet?
  5. Kann die Übertragung vom Anbieter mitgeschnitten werden?
  6. Wo landen meine eigenen Aufzeichnungen überall, wenn ich Sie speichere?
  7. Was steht überhaupt in der Datenschutzerklärung des Anbieters?
  8. Welche Art von Informationen teile ich per Videochat?

Das heißt jetzt nicht, man soll das alles nicht benutzen. Ich möchte nur drauf hinweisen, dass weiterhin Datenschutzgefahren bestehen. Daher sollte man sich vorher genau informieren, wie sicher die genutzte Software ist und ob sich eventuell ein Umstieg lohnt. Je nachdem, was man über den Videochat an Informationen teilt. Auch das ist, wie mit der DSGVO, eine Umgewöhnungssache. Aber es kann sich lohnen.

Zeit nutzen und aufräumen

Unternehmerisch teilweise eine Vollkatastrophe dieser Coronavirus. Aber warum nicht die Zeit nutzen. Jetzt ist die Chance da, eben solche Dinge wie Datenschutz beim Videochat zu recherchieren. Den Stapel „mach ich später“ anzugehen oder endlich mal meine Arbeitsprozesse mit personenbezogenen Daten aufzuschreiben. Vielleicht kann man auch jetzt dem internen Datenschutzbeauftragten mal Zeit einräumen. Der arme Knopf, der vor zwei Jahren ausgewürfelt wurde. Die Möglichkeiten sind jetzt da. Eigene Recherchen, Onlinekurse, Onlineworkshops etc.

Was soll ich denn jetzt tun?

Des Weiteren frage dich, ob es für dein Unternehmen eine Arbeitsrichtlinie für Homeoffice-Arbeitsplätze gibt. Dabei hilft es dir, wenn du die drei folgenden Fragen beantwortest:

  • Wissen meine Mitarbeiter, dass im Homeoffice die gleichen Sicherheitsregeln gelten wie im Unternehmen (keine fremde USB Sticks verwenden, Bildschirmsperre, etc.)?
  • Verfügt der Homeoffice-Arbeitsplatz über einen sicheren Zugriff auf die Unternehmensdaten?
  • Ist dem Mitarbeiter bewusst, dass der Zugriff durch weitere Personen im Haushalt auf den Arbeitsplatzrechner unbedingt zu unterbinden ist?

Außerdem empfehle ich die Leitlinie:

Büro ist Büro und zu Hause ist zu Hause… auch im Homeoffice!

Was soll das jetzt schon wieder heißen? Wenn ich zu Hause arbeite, dann bin ich gerade im Büro. Voller Fokus auf die Arbeit. Ungestört von anderen Menschen. Ohne Ablenkung von anderen Medien. Wenn ich dann in mein zu Hause übergehe, mache ich das mit voller Konzentration. Mittagessen. Mit den Kindern spielen. Duschen gehen. Genau das kann ich mir frei einteilen. Wenn also zu Mittag gegessen wird und danach die Kinder noch kurz spielen wollen, bleiben Rechner und Handy am Arbeitsplatz. So kann auch die 15 minütige Kaffeepause mit dem Ehemann oder der Ehefrau genossen werden um dann wieder voller Motivation weiter zu arbeiten. Hilfreich ist es auch, kurz zu duschen und seine Musik dabei voll aufzudrehen. Achtung: Diesen Tipp bitte nicht später für den Büroalltag verwenden. Spätestens wenn im Büro die Hüllen fallen könnte das falsch verstanden werden.

Der Coronavirus, COVID-19 oder auch SARS-CoV-2 oder auch einfach Corona und wie sie noch alle heißen zwingt uns zum Umdenken. Quarantäne, Kontaktverbote und Ausgangssperren. Die Natur nimmt sich langsam das zurück, was andere Ihr genommen haben. Die Menschen werden entschleunigt. Einige geraten in Panik und Angst, die meisten aber neigen immer mehr zur Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Wir stehen gerade vor einer riesen Chance, die Erde zu verbessern und sicherer zu machen. Das Thema Datenschutz steht für Sicherheit und Selbstbestimmung. Auch wenn es im Großen und Ganzen nur ein Teilgebiet der Sicherheit ist, so ist es doch ein sehr wichtiger.